LKH-Univ. Klinikum Graz

Kinderwunschzentrum Graz

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"Wir machen Eltern!"

Herzlich willkommen

Wir arbeiten an der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Graz als engagiertes und ĂŒber hohes Know-How verfĂŒgendes Team mit gesicherten Methoden moderner Kinderwunschbehandlung. 1984 kam an unserer Klinik das zweite österreichische "IVF-Kind" zur Welt: Wir verstehen uns somit als Pionier*innen der ersten Stunde.
Der Schwerpunkt fĂŒr gynĂ€kologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin ist in die gesamte Infrastruktur der Klinik eingebunden. Das heißt, dass im Bedarfsfall die Expertise anderer Klinikbereiche und anderer Disziplinen wie AnĂ€sthesie oder Urologie sofort abgerufen werden kann. Die interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit mit der Geburtshilflichen Abteilung in unserem Haus, die ĂŒber hervorragende Einrichtungen der PrĂ€nataldiagnostik und materno-fetalen Medizin verfĂŒgt, hat fĂŒr Sie den Vorteil, dass auf Wunsch auch Ihre Betreuung der Schwangerschaft gemeinsam mit den niedergelassenen Kolleg*innen erfolgen kann.

Vom ErstgesprĂ€ch und diagnostischem Prozedere bei unerfĂŒlltem Kinderwunsch bis hin zur Schwangerschaftsbetreuung und Geburt begleiten und unterstĂŒtzen wir Sie als kompetenter Partner.

Wir sind fĂŒr Sie da

Auenbruggerplatz 146, 8036 Graz

Patientenanfragen und Terminvereinbarung:
Montag bis Freitag von 08:00 bis 13:00 Uhr
Telefon: +43 316 385-12260
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Außerhalb der Regeldienstzeiten steht Ihnen von 15:00 Uhr bis 07:00 Uhr unsere Notfallambulanz zur VerfĂŒgung.
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Fruchtbarkeitsstörungen: Ursachen, Diagnose, Behandlung

Der unerfĂŒllte Kinderwunsch, von dem ca. 10-15 % aller Paare betroffen sind, kann verschiedene Ursachen haben und erfordert neben einer kompetenten AbklĂ€rung auch viel EinfĂŒhlungsvermögen wĂ€hrend der Behandlung.

Ursachen fĂŒr Fruchtbarkeitsstörungen

Die hĂ€ufigsten Fruchtbarkeitsprobleme bei Frauen sind hormonelle Störungen sowie organische Störungen in und an den Eileitern. HĂ€ufig werden solche Probleme erst dann entdeckt, wenn nach den Ursachen eines unerfĂŒllten Kinderwunschs gesucht wird.​​​

Hormonelle Störungen

Bei den Frauen ĂŒberwiegen als Ursachen hormonelle Probleme. Es können Funktionsstörungen der Eierstöcke (Ovarien), wie eine Störung der Eizellreifung (Follikulogenese), Ausbleiben des Eisprungs (Ovulation) und eine GelbkörperschwĂ€che (Lutealinsuffizienz) vorkommen.

Ursachen hierfĂŒr können eine Überproduktion von mĂ€nnlichen Geschlechtshormonen (HyperandrogenĂ€mie), eine Überproduktion des Hormons Prolaktin (HyperprolaktinĂ€mie), eine SchilddrĂŒsenfehlfunktion (Hyper- oder Hypothyreose) oder ein polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) sein.

Störungen der Eileiter

​Bei etwa einem Drittel aller ungewollt kinderlosen Frauen sind die Eileiter komplett oder teilweise verschlossen (Tubenverschluss) oder mit FlĂŒssigkeit gefĂŒllt (Hydrosalpinx, Saktosalpinx). Die hĂ€ufigste Ursachen hierfĂŒr sind EntzĂŒndungen, vorangegangene Eileiterschwangerschaften, Operationen oder Endometriose. Sind die Eileiter verklebt, verschlossen oder durch Verwachsungen in ihrer Beweglichkeit gestört, ist der Transport der Eizelle oder die Passage der Samenzellen zur Eizelle hin erschwert oder sogar unmöglich.

VerÀnderungen an der GebÀrmutterschleimhaut

Die GebĂ€rmutter (Uterus) ist im Inneren mit Schleimhaut (Endometrium) ausgekleidet. Das Endometrium spielt eine zentrale Rolle fĂŒr die Einnistung eines Embryos. VerĂ€nderungen wie Schleimhautwucherungen (Endometriumpolypen), Verwachsungen (Synechien), Muskelknoten unter der Schleimhaut (Submuköse Myome) und GebĂ€rmutterfehlbildungen können das Entstehen sowie den Verlauf einer Schwangerschaft stören.

Endometriose

Bei Endometriose findet sich GebĂ€rmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der GebĂ€rmutter, zum Beispiel an den Eierstöcken oder Eileitern. Die Erkrankung macht sich meist durch starke Schmerzen wĂ€hrend der Regelblutung bemerkbar, mitunter auch durch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang. Endometriose kann zu VerĂ€nderungen an den Fortpflanzungsorganen und zu Verwachsungen in der Bauchhöhle fĂŒhren, die eine EmpfĂ€ngnis und eine Schwangerschaft erschweren können. In vielen FĂ€llen können durch die Behandlung von Endometriose mittels Bauchspiegelung die natĂŒrliche Fruchtbarkeit wieder hergestellt beziehungsweise die Erfolgsaussichten fĂŒr nachfolgende Kinderwunschbehandlungen verbessert werden.
Schmerzen bei der Regelblutung (Dysmenorrhoe) und/oder beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) sollten grundsĂ€tzlich im Rahmen einer ausfĂŒhrlichen Untersuchung und mittels dynamischer Ultraschalldiagnostik abgeklĂ€rt werden. Weitere Informationen zum Thema: UniversitĂ€re Kompetenzeinheit Endometriose des LKH-Univ. Klinikum Graz

Myome

Diese gutartigen Muskelknoten der GebĂ€rmutter können - abhĂ€ngig von ihrer Lage und GrĂ¶ĂŸe – die Befruchtung und Einnistung behindern oder zu Fehlgeburten fĂŒhren. Eine sorgfĂ€ltige Ultraschalluntersuchung (ggf. 3D-Ultraschall) erlaubt eine EinschĂ€tzung der Bedeutung von Myomen auf die Fruchtbarkeit im konkreten Fall. In manchen FĂ€llen mĂŒssen Myome im Rahmen einer Operation (Bauchspiegelung und/oder GebĂ€rmutterspiegelung) entfernt werden.

Fehlbildungen der GebÀrmutter

Diese sind angeboren und insgesamt selten, aber sie im Vorfeld einer Schwangerschaft genau zu kennen, ermöglicht eine optimale Beratung und ggf. Behandlung. Mit einer 3D-Ultraschall-Untersuchung kann eine Unterscheidung zwischen den meisten Formen der Fehlbildungen erfolgen, in seltenen FĂ€llen ist eine AbklĂ€rung und/oder Behandlung mittels Operation (Bauchspiegelung/GebĂ€rmutterspiegelung) erforderlich, um Fehlbildungen wie beispielsweise eine Trennwand in der GebĂ€rmutterhöhle (Uterusseptum) zu entfernen, um das Risiko fĂŒr wiederholte Fehlgeburten zu reduzieren.

Wiederholte Fehlgeburten und Einnistungsversagen

Nach SchĂ€tzungen endet die HĂ€lfte aller Schwangerschaften – fast immer unbemerkt – schon vor oder mit der erwarteten Regelblutung und jede vierte Frau mit Kindern hat auch mindestens eine Fehlgeburt erlebt. Nach einer kĂŒnstlichen Befruchtung kann es trotz idealer Entwicklung des Embryos zu wiederholten Einnistungsversagen (Implantationsversagen) kommen. Von wiederholten Fehlgeburten (habituellen Aborten) oder wiederholtem Einnistungsversagen spricht man nach mindestens zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen.
Die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr Fehlgeburten und Einnistungsversagen sind genetische VerĂ€nderungen des Embryos. Weitere Ursachen können Gerinnungsstörungen, Autoimmunkrankheiten, Infektionen, SchilddrĂŒsenfunktionsstörungen, aber auch VerĂ€nderungen der GebĂ€rmutter sein. HĂ€ufig bleibt die Ursache von Fehlgeburten unklar.

Bei etwa der HĂ€lfte aller ungewollt kinderlosen Paare liegt die Ursache fĂŒr das Fruchtbarkeitsproblem allein oder zum Teil beim Mann. HĂ€ufig wird dies erst durch die Untersuchung einer Samenprobe im Labor (Spermiogramm) entdeckt.

Störung der Spermienreifung

Verschiedene Faktoren können die Spermienreifung stören: Neben einer im Kindesalter durchgemachten Mumpsinfektion können Krampfadern am Hoden (Varikozele), Hodenhochstand, operierte Tumore oder angeborene Ursachen, wie AuffĂ€lligkeiten der Erbanlagen (wie z. B. bei Mukoviszidose) zu EinschrĂ€nkungen der SamenqualitĂ€t fĂŒhren. Hormonstörungen, Stress und Umweltbelastungen sowie akute Infektionen sind weitere mögliche Ursachen einer reduzierten SamenqualitĂ€t.

Die Untersuchung der SamenqualitĂ€t erfolgt aus dem Ejakulat (Spermiogramm). Eine urologische AbklĂ€rung der möglichen Ursachen des unerfĂŒllten Kinderwunsches ist in jedem Fall erforderlich. Im bestimmten FĂ€llen kann auch eine Untersuchung des Erbgutes im Rahmen einer humangenetische Beratung bzw. Untersuchung notwendig sein.

Störungen des Spermientransportes

Bei einigen MĂ€nnern werden zwar ausreichend viele bewegliche Spermien gebildet, diese können aber wegen blockierter Samenleiter beim Samenerguss nicht aus dem Körper austreten (obstruktive Azoospermie). Ursachen können fehlgebildete oder infolge einer EntzĂŒndung verklebte Samenleiter sein. Diagnose und Therapie erfolgen durch eine/einen spezialisierten Urolog*in am LKH-Univ. Klinikum Graz in Zusammenarbeit mit unserer Abteilung.

Diagnose bei Fruchtbarkeitsstörungen

Der Menstruationszyklus wird durch verschiedene Hormone reguliert. Eine Untersuchung dieser Hormone an bestimmten Zyklustagen gibt Aufschluss ĂŒber mögliche Störungen und behandlungsbedĂŒrftige VerĂ€nderungen. Die Kenntnis dieser VerĂ€nderungen steht am Anfang der diagnostischen Schritte zur AbklĂ€rung von möglichen Ursachen von Fruchtbarkeitsstörungen.
Auch bei wiederholten Fehlgeburten sollten eine Reihe von Faktoren im Blut untersucht werden, um eine Ursache und einen effektiven Behandlungsansatz zu finden.

Die Möglichkeiten der Ultraschalldiagnostik entwickeln sich stetig weiter. Heutzutage können viele VerĂ€nderungen an der GebĂ€rmutter, den Eierstöcken und den anliegenden Organen mit hoher Sicherheit im Ultraschall erkannt werden. Beispielsweise kann mittels Ultraschalluntersuchung die Anzahl der kleinen sichtbaren EiblĂ€schen (Antralfollikel; antral follicle count = AFC) genau erhoben werden und prĂ€zise Informationen ĂŒber die Eizellreserve liefern.
Die Errungenschaften des 3D-Ultraschalls erlauben eine hochauflösende und prÀzise Darstellung der Form der GebÀrmutterhöhle. GebÀrmutterfehlbildungen und verÀndernde Strukturen wie Polypen oder Myome können dadurch nicht-invasiv evaluiert werden.
Mithilfe dynamischer Ultraschallverfahren wie der Hystero-Kontrastmittelsonographie (HYCOSY) wird die DurchgĂ€ngigkeit der Eileiter ĂŒberprĂŒft. Diese Untersuchung erfolgt im Rahmen der Sprechstunde und ist ohne BetĂ€ubung (Narkose) möglich.

Das Innere der GebÀrmutter ist normalerweise glatt und mit Schleimhaut ausgekleidet.
GebĂ€rmutterfehlbildungen, Schleimhautwucherungen (Polypen) oder grĂ¶ĂŸere Muskelknoten (Myome) können die Einnistung des Embryos beeintrĂ€chtigen.
Diese Befunde können im Rahmen einer GebĂ€rmutterspiegelung (Hysteroskopie, HSK) – einem kurzen ambulant durchgefĂŒhrten Eingriff - erkannt und operativ entfernt werden.

Im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie, LSK) erfolgt die Untersuchung und Behandlung von VerĂ€nderungen im Bauchraum: Eierstockzysten, Endometrioseherde, Muskelknoten (Myome) in der GebĂ€rmutter und andere VerĂ€nderungen, die die Fruchtbarkeit ungĂŒnstig beeinflussen können, werden hierbei sorgfĂ€ltig entfernt.

Im Rahmen einer Bauchspiegelung kann auch eine DurchgĂ€ngigkeitsprĂŒfung der Eileiter (Chromopertubation) erfolgen. Die DurchfĂŒhrung einer Bauchspiegelung nur zum Zwecke einer Chromopertubation wurde mittlerweile durch die nicht-invasive Ultraschall-basierte Untersuchung HYCOSY ersetzt.

Im Rahmen der Untersuchungen der möglichen Ursachen der Kinderlosigkeit muss zu einem frĂŒhen Zeitpunkt eine Samenanalyse beim Mann erfolgen. Das Ejakulat wird hierfĂŒr von speziell geschultem Personal unter dem Mikroskop analysiert. Die wichtigsten Parameter sind die Dichte, die Beweglichkeit (MotilitĂ€t) und der Anteil der normal geformten Spermien (Morphologie). Von der WHO (World Health Organization) vorgegebene Grenzwerte lassen eine Klassifizierung des untersuchten Samens zu. Eine Normozoospermie bedeutet, dass ein normaler Samenbefund vorliegt. Eine Oligo-Astheno-Therato-Zoospermie (OAT-Syndrom I-III) bedeutet eine Verminderung aller QualitĂ€ten. So kann abgeschĂ€tzt werden, inwieweit der Samenbefund eine Ursache der Kinderlosigkeit des Paares darstellt.

​Eine seltene Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit sind VerĂ€nderungen in den Erbanlagen bei der Frau oder beim Mann.
Durch eine Blutuntersuchung wird kontrolliert, ob ein normaler Chromosomensatz (weiblich: 46 XX oder mĂ€nnlich: 46 XY) vorliegt und ob es beim Mann VerĂ€nderungen im "Zystischen-Fibrose-Gen" gibt. Abweichungen vom normalen Chromosomensatz sind angeboren, mĂŒssen aber nicht zwangslĂ€ufig zu Krankheiten fĂŒhren.

Was ein auffĂ€lliges Chromosomenbild bedeutet, wird den Betroffenen in einer ausfĂŒhrlichen humangenetischen Beratung erlĂ€utert werden. Dies erfolgt durch Spezialist*innen im Institut fĂŒr Humangenetik.

Behandlungsmöglichkeiten

Durch Zyklusmonitoring wird ĂŒberprĂŒft, ob es zum Heranreifen eines EiblĂ€schens (Follikel), zum Eisprung und zur Gelbkörperbildung kommt.
HierfĂŒr erfolgen Ultraschalluntersuchungen, bei denen die Follikel am rechten und linken Eierstock und die Dicke der GebĂ€rmutterschleimhaut (Endometrium) gemessen werden. Wenn sich ein grĂ¶ĂŸerer Follikel zeigt, kann eine Blutentnahme zur Bestimmung von E2 (Estradiol) und LH (Luteinisierendes Hormon) durchgefĂŒhrt werden.
Das Estradiol korreliert mit der Reife der Eizelle und der LH-Anstieg zeigt den Eisprung an. LH-Werte können auch im Urin gemessen werden und werden in diversen Zyklusmonitoring-Verfahren eingesetzt, die durch Frauen selbst angewandt werden können.

Wenn beim Zyklusmonitoring festgestellt wurde, dass gar keine oder nur eine ungenĂŒgende Follikelreifung stattfindet, wird eine Stimulationsbehandlung durchgefĂŒhrt.
Durch die Gabe von Medikamenten kann diese Störung ausgeglichen werden: Die einfachste Methode der Hormonstimulation zur UnterstĂŒtzung der Follikelreifung ist die Gabe von Clomifen, einem Östrogenrezeptormodulator. Eine weitere Möglichkeit der Stimulationsbehandlung ist die Anwendung von Gonadotropinen FSH (follikelstimulierendes Hormon) oder HMG (Humanes Menopausengonadotropin, das auch FSH enthĂ€lt) in Form von Injektionen. In geringer Dosierung wird einmal tĂ€glich ein Gonadotropin unter die Haut gespritzt. Das Follikelwachstum wird mit Ultraschall kontrolliert, um den richtigen Zeitpunkt fĂŒr das Auslösen des Eisprungs (Injektion von hCG, humanes Chorion Gonadotropin) festzulegen. AbhĂ€ngig vom Samenbefund erfolgt gezielter Geschlechtsverkehr oder das Einbringen von Samenzellen in die GebĂ€rmutterhöhle (Insemination).

Bei der Stimulation im Rahmen der kĂŒnstlichen Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation und Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) kommen ebenfalls Gonadotropine zum Einsatz – allerdings in viel höherer Dosierung (kontrollierte ovarielle Überstimulation). Denn fĂŒr eine kĂŒnstliche Befruchtung sollen nicht nur ein oder zwei Follikel reifen, sondern ehrere, die dann im Rahmen der Follikelpunktion entnommen werden.

Trotz sorgfĂ€ltiger Ultraschall- und Laborkontrolle kann es zu einer Überstimulation der Eierstöcke kommen. Das sogenannte Überstimulationssyndrom (OHSS) ist mit einer deutlichen VergrĂ¶ĂŸerung der Eierstöcke, Unterbauchschmerzen sowie relativ hohen Östrogenspiegeln verbunden, die zu einer vermehrten GefĂ€ĂŸdurchlĂ€ssigkeit und damit zu einem erhöhten Thromboserisiko fĂŒhren. Diese Symptome sind jedoch gut zu behandeln und bilden sich wieder vollstĂ€ndig zurĂŒck. In unserer Klinik besteht die Möglichkeit der stationĂ€ren Behandlung und wir versorgen als einziges Zentrum in der Steiermark alle Patientinnen mit Nebenwirkungen der Stimulationsbehandlung, wenn dies erforderlich ist.

Die Eizellentnahme (Follikelpunktion) erfolgt vor dem Eisprung ca. 36 Stunden nach Injektion von HCG (humanes Chorion Gonadotropin). Der Inhalt der Follikel, die FollikelflĂŒssigkeit mit der Eizelle, wird transvaginal, unter Ultraschallkontrolle punktiert. Die Eizellen werden im Labor unter einem Mikroskop aus der FollikelflĂŒssigkeit herausgesucht, in eine Kulturschale gegeben und in einem Inkubator aufbewahrt.
Der Samen des Mannes kann in einem dem IVF-Labor angrenzenden Raum gewonnen werden. Nach Absprache mit den behandelnden Ärzt*innen kann der Samen auch von zu Hause mitgebracht werden. Spezielle Aufbereitungsmethoden erlauben es, die Samenzellen aus dem Ejakulat zu isolieren und zu konzentrieren.
Ist der Befund des gewonnenen Samens fĂŒr eine In-Vitro Fertilisation (IVF) geeignet, wird am frĂŒhen Nachmittag ein Tropfen Samensuspension zu den schon in der Kulturschale befindlichen Eizellen (noch von einer lockeren Wolke von Kumuluszellen umgeben) gegeben. Die Befruchtung der Eizellen erfolgt in den nĂ€chsten Stunden auf natĂŒrlichem Wege.
Wie viele Eizellen befruchtet wurden, erkennen wir am nĂ€chsten Tag. Die Anzahl der normal befruchteten Eizellen und ihre weitere Entwicklung sind ausschlaggebend fĂŒr den Zeitpunkt der RĂŒckfĂŒhrung des Embryos in die GebĂ€rmutter. Der Embryotransfer von ein oder zwei Embryonen wird am 3. Tag (im Teilungsstadium) oder am 5. Tag (im Blastozystenstadium) nach der Eizellentnahme durchgefĂŒhrt.

Liegen die Werte des Samenbefundes unter bestimmten Grenzwerten, erfolgt die Insemination durch die sogenannte Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICIS). DafĂŒr werden die Kumuluszellen von den Eizellen enzymatisch abgelöst, sodass unter kontrollierten Bedingungen ein ausgesuchtes Spermium in eine reife Eizelle injiziert werden kann. Unreife Eizellen werden nicht behandelt.

Sind keine Spermien im Ejakulat vorhanden (Azoospermie) können Spermien eventuell aus einem GewebestĂŒck des Hodens extrahiert werden. Die Hodenbiopsie wird auf der Univ.-Klinik fĂŒr Urologie durchgefĂŒhrt. Die Aufbereitung erfolgt in unserem IVF-Labor. Werden Spermien gefunden, werden sie kryokonserviert und fĂŒr eine spĂ€tere IVF/ICSI aufbewahrt.

  1. Die Kryokonservierung stellt eine wichtige Rolle in unseren Kinderwunschbehandlungen dar. ÜberzĂ€hlige Embryonen aus IVF und ICSI-Versuchen können aufbewahrt und zu einem spĂ€teren Zeitpunkt transferiert werden.
  2. Samen und Hodengewebe können fĂŒr zukĂŒnftige Kinderwunschbehandlungen aufbewahrt werden. Der hĂ€ufigste Grund fĂŒr eine Samenkryokonservierung ist eine bevorstehende Strahlen- oder Chemotherapie, die das Hodengewebe nachhaltig schĂ€digt.
  3. Frauen, die aufgrund einer Erkrankung oder einer bevorstehenden gonadotoxischen Therapie mit einer EinschrĂ€nkung der Fruchtbarkeit rechnen mĂŒssen, bieten wir eine Kryokonservierung von Eizellen, Embryone und Ovargewebe an. Sehr umfangreiche Informationen zu diesem Thema finden Sie auf dem Link von FertiPROTEKT.

FĂŒr gleichgeschlechtliche weibliche Paare bieten wir das Einbringen von Samenzellen von Fremdspendern in die GebĂ€rmutterhöhle (Insemination) oder bei Notwendigkeit die kĂŒnstliche Befruchtung an.

Samenspende

Seit vielen Jahren besteht in unserem KinderwunschZentrum Graz auch die Möglichkeit, Samen zu spenden und damit Paare zu unterstĂŒtzen, die aufgrund von schwerwiegenden Fruchtbarkeitsstörungen des Mannes bisher ungewollt kinderlos geblieben sind.

Vorteile fĂŒr den Spender: Eine AbklĂ€rung des Gesundheitszustandes samt Blutuntersuchungen und Screening auf bestimmte Infektionskrankheiten, sexuell ĂŒbertragbare Erkrankungen und Erbkrankheiten, ÜberprĂŒfung der SamenqualitĂ€t und somit der ZeugungsfĂ€higkeit des Spenders.
Alle Untersuchungen erfolgen fĂŒr den Spender kostenlos.

Voraussetzungen fĂŒr eine Samenspende:

  • Ein Samen-Spender muss das 18. Lebensjahr vollendet haben. Ein Samen-Spender darf seine Samen nur an EINE Krankenanstalt abgeben.
  • Ein Samen-Spender wird auf bestimmte ansteckende und sexuell ĂŒbertragbare Erkrankungen sowie Erbkrankheiten untersucht und die Samenspende kann nur im Falle von unauffĂ€lligen Befunden verwendet werden.
  • Die Samen dĂŒrfen pro Spender in höchstens drei Ehen, eingetragenen Partnerschaften oder Lebensgemeinschaften verwendet werden.
  • Die Identifikation/Zuteilung eines passenden Spenders erfolgt durch das KinderwunschZentrum.
  • Es besteht eine AnonymitĂ€t zwischen Spender und EmpfĂ€ngerin. Zum Wohle des Kindes ist in medizinisch begrĂŒndeten AusnahmefĂ€llen der Person, die mit der gesetzlichen Vertretung fĂŒr die Pflege und Erziehung betraut ist, Einsicht und Auskunft zu erteilen.
  • Das Kind, das mit dem gespendeten Samen gezeugt wurde, hat mit dem vollendeten 14. Lebensjahr das Recht, Informationen ĂŒber den Spender zu erlangen. Das Kinderwunsch-Zentrum, in dem die Behandlung durchgefĂŒhrt wurde, ist hierbei in der Auskunftspflicht.

Gesetzliche Grundlagen (festgelegt im Fortpflanzungsmedizingesetz): Seit 2015 gilt in Österreich ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz, das auch die Verwendung einer Samenspende fĂŒr die In-Vitro Fertilisierung (IVF / Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas) erlaubt. Davor war es nur gestattet, den Samen nach dem Eisprung direkt in die GebĂ€rmutterhöhle einzubringen. Um die Eizelle zu befruchten, musste in diesem Fall der Samen ĂŒber die Eileiter den Weg zur Eizelle finden; seit 2015 ist nun auch eine Befruchtung der Eizellen im Reagenzglas im Rahmen einer IVF Behandlung zulĂ€ssig.
Eine weitere Neuerung ist, dass die Verwendung der Samenspende eines Dritten auch fĂŒr homosexuelle Frauen (d. h. lesbische Paare, die in einer Lebensgemeinschaft oder eingetragenen Partnerschaft leben) erlaubt ist, um mittels IVF ein Baby zu bekommen.

Bei Interesse bitten wir um Kontaktaufnahme unter
kinderwunsch@uniklinikum.kages.at oder
von Montag bis Feitag in der Zeit von 08:00 bis 13:00 Uhr
unter +43 316 385-12260.

FAQs: Wir beantworten Ihre Fragen

​Der unerfĂŒllte Kinderwunsch kann verschiedene Ursachen haben und erfordert neben einer fachlich kompetenten AbklĂ€rung auch viel EinfĂŒhlungsvermögen. Durch moderne Behandlungskonzepte und eine interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen können wir Ihnen eine umfassende AbklĂ€rung und Therapie anbieten.

Die Kosten fĂŒr das ErstgesprĂ€ch und die diagnostische AbklĂ€rung der Ursachen der Kinderlosigkeit werden grundsĂ€tzlich von der Krankenkasse ĂŒbernommen (eine gĂŒltige Krankenversicherung ist Voraussetzung). Auch die AbklĂ€rung der Fruchtbarkeit des Mannes (Spermiogramm) wird einmalig von der Krankenkasse bezahlt, wenn sie an der Klinik durchgefĂŒhrt wird (an der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Frauenheilkunde und Geburtshilfe oder auch an der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Urologie).

Kinderwunschbehandlungen nach der diagnostischen AbklÀrung sind kostenpflichtig. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Art der Behandlung.

Beim Bundesministerium fĂŒr Gesundheit ist der IVF-Fonds eingerichtet, der bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen 70 % der Kosten fĂŒr Maßnahmen der In-vitro-Fertilisation, grundsĂ€tzlich fĂŒr höchstens vier IVF-Versuche, trĂ€gt. Sofern aus einem dieser Versuche eine Schwangerschaft resultiert, besteht ein neuerlicher Anspruch auf KostenĂŒbernahme fĂŒr vier weitere Versuche. AusfĂŒhrlichere Informationen entnehmen Sie bitte der BroschĂŒre "Wir möchten ein Baby" des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit.

Bei Nicht-Übernahme der Kosten durch den IVF-Fonds des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit tragen Sie die Kosten zur GĂ€nze. Patientinnen ohne Voraussetzungen fĂŒr die Fondsanmeldung stehen alle Therapiemöglichkeiten zur VerfĂŒgung. Im BeratungsgesprĂ€ch stehen wir fĂŒr alle Fragen gerne zur VerfĂŒgung.

Individuell ist die Chance auf eine Schwangerschaft sehr unterschiedlich und kann Ihnen nach der genauen AbklĂ€rung vom Arzt/der Ärztin ehrlich und transparent dargelegt werden.

Dank unseres kompetenten Teams und dem Bezug der neuen RÀumlichkeiten im Jahr 2014 haben wir die Basis geschaffen, Sie auf allen Ebenen auf höchstem Niveau und mit der bestmöglichen QualitÀt zu betreuen. Das ist die Grundlage unserer konstant hohen Schwangerschaftsrate.

Informationen fĂŒr Ärzt*innen

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Das Team des Schwerpunkts GynÀkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin der UniversitÀtsfrauenklink Graz macht es sich zur Aufgabe, seine klinische und wissenschaftliche Erfahrung weiterzugeben und mit Ihnen zu teilen.

Wir sind fĂŒr Sie da

Wenn Sie Fragen haben oder FÀlle von Patient*innen besprechen möchten,
können Sie uns telefonisch von Montag bis Freitag in der Zeit von 08:00 bis 13:00 Uhr
unter +43 316 385-12260 oder unter
kinderwunsch@uniklinikum.kages.at erreichen.

Außerhalb der Regeldienstzeiten steht Ihnen von 15:00 Uhr bis 07:00 Uhr unsere Notfallambulanz zur VerfĂŒgung.
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Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen

Wir bieten regelmĂ€ĂŸig kostenlose Informationsveranstaltung an.

Termine fĂŒr Fortbildungsveranstaltungen fĂŒr Ärzt*innen:

*** Aufgrund der aktuellen COVID-Situation können momentan keine Veranstaltungen stattfinden. ***

Veranstaltungen fĂŒr Patient*innen:

Wir veranstalten regelmĂ€ĂŸig kostenlose und unverbindliche Informationsabende zum Thema Kinderwunsch. Sie haben die Möglichkeit, Fragen aus den Themenbereichen Kinderwunsch, kĂŒnstliche Befruchtung, hormonelle Störungen und deren AbklĂ€rung und Therapie zu stellen. Besuchen Sie uns und lernen Sie unser Team kennen.

*** Aufgrund der aktuellen COVID-Situation finden Veranstaltungen online statt. ***

Kontakt

Kinderwunschzentrum Graz
Schwerpunktsekretariat Gyn. Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin
Auenbruggerplatz 146, 8036 Graz

kinderwunsch@uniklinikum.kages.at