Hoch die Herzen! Eine besondere Wandergruppe in der Klause bei Deutschlandsberg
Wandern am Nationalfeiertag ist fĂŒr viele Ăsterreicher*innen etwas SelbstverstĂ€ndliches. Nicht selbstverstĂ€ndlich ist es fĂŒr jene Gruppe, die unlĂ€ngst gemeinsam in der Klause bei Deutschlandsberg unterwegs war: Zehn der insgesamt 22 Teilnehmer*innen leben mit einem transplantierten Herzen. Gemeinsam mit Angehörigen und Mitgliedern des Herztransplantationsteams des Uniklinikum Graz legten sie 10 Kilometer zurĂŒck. Dabei ging es nicht nur um Bewegung, sondern auch um den Austausch von Erfahrungen und die Freude am gemeinsamen Unterwegssein. FĂŒr einen Mann aus Weiz wurde die Wanderung sogar zu einem ganz persönlichen Meilenstein.
Entlang der rauschenden LaĂnitz, vorbei an FelswĂ€nden und durch schattige WaldstĂŒcke fĂŒhrte die Wanderung durch die Klause bei Deutschlandsberg. Wer der Gruppe unterwegs begegnete, ahnte vermutlich nicht, welche Lebensgeschichten hier gemeinsam unterwegs waren. Einer der Teilnehmer lebt seit fast zwei Jahrzehnten mit einem Spenderherz und hat bei internationalen SportwettkĂ€mpfen fĂŒr Transplantierte zahlreiche Medaillen gewonnen, darunter mehrere Goldmedaillen. Eine junge Frau erhielt ihr Spenderherz bereits mit 14 Jahren und arbeitet heute selbst am Uniklinikum Graz. Und dann sind da Dubravko und Snjezana Bilbija aus Weiz. Die beiden wandern Seite an Seite â etwas, das noch vor gut einem Jahr kaum vorstellbar gewesen wĂ€re.
Eine Strecke, die vor einem Jahr undenkbar waren
Damals war Dubravko Bilbija so schwer herzkrank, dass er sich kaum noch bewegen konnte. Mehrmals musste er wegen seiner HerzschwĂ€che ins Krankenhaus. Am 25. August 2025 erhielt er schlieĂlich ein Spenderherz. Seine Frau Snjezana hat die Zeit vor der Transplantation an seiner Seite erlebt und weiĂ, wie sehr die Krankheit den gemeinsamen Alltag eingeschrĂ€nkt hat. Heute sagt sie ĂŒber ihren Mann: âEr ist wie ein neuer Mensch.â
Als die Einladung zur Wanderung kam, war allerdings nicht sicher, ob Bilbija die Strecke bis zur FischerhĂŒtte schon schaffen wĂŒrde. Seine Frau und das Behandlungsteam besprachen mit Cristina Ciurca, Herztransplant- und Device-Managerin am Uniklinikum Graz, was ihm zuzutrauen war. SchlieĂlich machten sich die beiden gemeinsam mit der Gruppe auf den Weg. Herzchirurg Dr. Sami Mouritane behielt Bilbija dabei besonders im Auge. Doch Bilbija ging in seinem Tempo, legte mehrere Pausen ein â und schaffte den Weg. Zur Freude seiner Frau und des gesamten Teams.
Auch fĂŒr Univ.-Prof. Dr. Martin Andreas, Leiter der Klinischen Abteilung fĂŒr Herzchirurgie am Uniklinikum Graz, ist Bilbijas Entwicklung ein besonderer Erfolg. Er selbst hat dem Patienten das Spenderherz transplantiert. âUnser Herztransplantationsprogramm lĂ€uft wieder sehr erfolgreich. Allein 2026 konnten wir am Uniklinikum Graz bereits 14 Herzen transplantieren. Besonders freut mich, dass wir dank der hohen Zahl an Transplantationen die Wartezeiten fĂŒr unsere Patient*innen erfreulich kurz halten können. FĂŒr Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz ist das oft von entscheidender Bedeutung â und jede erfolgreiche Transplantation eröffnet die Chance auf ein neues Leben.â
Mehr als eine gemeinsame Wanderung
Die Idee zur Wanderung entstand im Herztransplantationsteam. Eine treibende Kraft war Cristina Ciurca, die viele der Patient*innen seit Jahren begleitet. Gemeinsam wollte das Team zeigen, wie wichtig Bewegung nach einer Herztransplantation ist â und dabei selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Neben Herzchirurg Dr. Sami Mouritane waren auch DGKP Sabine Seybold und Angelika Therisch-Höller, Abteilungsleiterassistentin der Klinischen Abteilung fĂŒr Kardiologie, mit von der Partie.
Unterwegs und spĂ€ter beim Zusammensitzen in der FischerhĂŒtte ging es nicht nur ums Wandern. Die Herztransplantierten erzĂ€hlten einander von ihrem Alltag, sprachen ĂŒber Sorgen und tauschten Tipps aus. Besonders viel Mut machte der sportlich erfolgreiche Teilnehmer, der seit fast zwei Jahrzehnten mit seinem Spenderherz lebt.
Jenen, deren Transplantation noch nicht so lange zurĂŒckliegt, zeigt er, wie viel körperliche Fitness mit einem Spenderherz wieder möglich sein kann. Und wĂ€hrend der eine bereits internationale Sportmedaillen gewonnen hat, war fĂŒr Dubravko Bilbija allein das Ankommen bei der FischerhĂŒtte einen Pokal wert.
âViele haben mir danach erzĂ€hlt, wie gut es ihnen getan hat, andere Herztransplantierte zu treffenâ, berichtet Cristina Ciurca. âEs tut gut, mit Menschen zu sprechen, die Ăhnliches erlebt haben, die Sorgen und Ăngste verstehen, ohne dass man viel erklĂ€ren muss. Und es macht Mut zu sehen, wie andere mit ihrem neuen Herzen leben und was alles wieder möglich ist. Gerade fĂŒr jene vier Teilnehmer*innen, deren Transplantation noch nicht so lange zurĂŒckliegt, war es besonders wertvoll, von den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Dieser Austausch war mindestens so wichtig wie die Wanderung selbst.â
Auch ein neues Herz will bewegt werden
Mit einem Spenderherz können viele Menschen wieder ein aktives Leben fĂŒhren. Doch wer vor der Transplantation lange körperlich stark eingeschrĂ€nkt war, muss Kraft und Ausdauer erst wieder aufbauen. Wie viel Bewegung möglich ist, hĂ€ngt vom Gesundheitszustand ab und sollte mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
âWir möchten, dass unsere Patient*innen nach einer Herztransplantation nicht nur wieder selbststĂ€ndig leben können, sondern auch körperlich möglichst fit werden. RegelmĂ€Ăige Bewegung und gezieltes Training sind dafĂŒr wichtig. Entscheidend ist, die Belastung schrittweise zu steigern und individuell abzustimmenâ, erklĂ€rt Univ.-Prof. Dr. Andreas Zirlik, Leiter des UniversitĂ€ren Herzzentrums Graz und der Klinischen Abteilung fĂŒr Kardiologie am Uniklinikum Graz.
Bei der Wanderung ging es nicht um Geschwindigkeit oder sportliche Bestleistungen. Jede und jeder konnte die Strecke im eigenen Tempo bewĂ€ltigen. Dass die Premiere gelungen war, zeigte sich spĂ€testens beim gemĂŒtlichen Ausklang in der FischerhĂŒtte. Denn fĂŒr die Teilnehmer*innen stand bereits fest: Vor Weihnachten treffen sie sich wieder!
Im UniversitĂ€ren Herzzentrum Graz (UHZG) bĂŒndeln die Herzspezialist*innen des Uniklinikum Graz und der Med Uni Graz ihre Expertise in der Behandlung von Herzerkrankungen, in der Forschung und der Ausbildung. Vier Klinische Abteilungen arbeiten dabei eng zusammen: Herzchirurgie, Kardiologie, PĂ€diatrische Kardiologie sowie AnĂ€sthesiologie und Intensivmedizin 2. Gemeinsam mit den Forschungszentren und diagnostischen Instituten der Med Uni Graz verbindet das UHZG medizinische Versorgung, Wissenschaft und Lehre.
Ein Schwerpunkt ist die Behandlung von Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz â bis hin zur Versorgung mit mechanischen HerzunterstĂŒtzungssystemen und zur Herztransplantation. Auch nach einer Transplantation werden die Patient*innen langfristig betreut. Die interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit ermöglicht eine umfassende Begleitung von der Behandlung der Herzerkrankung bis zur Nachsorge.
Kontakt fĂŒr Patient*innenanfragen:
Klinische Abteilung fĂŒr Kardiologie
+43 316 385-12544
Klinische Abteilung fĂŒr Herzchirurgie
+43 316 385-82820
Presseanfragen
Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz
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