Unsichtbare Erkrankungen ernst nehmen: KAGes informiert ĂŒber psychische Gesundheit

Pressemitteilung

AnlĂ€sslich des Welttags der Kranken rĂŒckt die SteiermĂ€rkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) das Thema psychische Gesundheit in den Fokus, denn psychische Erkrankungen betreffen fast ein Viertel der Österreicher*innen.

Portraitfoto von Prim. Dr. Schneider vom LKH Graz II
Prim. Dr. Michael Schneider | © Furgler

Laut der Ă–sterreichischen Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik leben rund 2,1 Millionen Menschen in Österreich mit einer psychiatrischen Erkrankung – das entspricht etwa 22,7 Prozent der Bevölkerung. Zu den hĂ€ufigsten Diagnosen zĂ€hlen Depressionen (10 Prozent), Angststörungen (6,8 Prozent) sowie Alkoholmissbrauch oder -abhĂ€ngigkeit (3,5 Prozent).

Der Fehlzeitenreport des Österreichischen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung zeigt zudem, dass psychische Erkrankungen in der Altersgruppe der 25- bis 44-JĂ€hrigen die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr krankheitsbedingte Langzeitfehlzeiten sind. Frauen sind davon hĂ€ufiger betroffen als MĂ€nner.

Prim. Dr. Michael Schneider, Leiter der Abteilung fĂŒr Psychiatrie 2 am LKH Graz II, Standort SĂŒd nennt hier vor allem Stress als Ursache: „Chronischer Stress durch Zeitdruck, Leistungsanforderungen und stĂ€ndige Erreichbarkeit ĂŒberfordert langfristig die psychischen BewĂ€ltigungsmechanismen. Arbeitsverdichtung und Unsicherheit erhöhen das Risiko fĂŒr Erschöpfung, Angststörungen und Depressionen. ZusĂ€tzlich verstĂ€rken Digitalisierung, soziale Vergleichbarkeit und der Verlust stabiler sozialer Strukturen den Druck und das GefĂŒhl von Isolation.“ 

Erschöpfung, Schlafstörungen und spÀte Hilfe

In der klinischen Praxis zeigen sich psychische Belastungen hĂ€ufig durch anhaltende Erschöpfung, Schlafstörungen und emotionale Überforderung. 

„Viele Patient*innen berichten ĂŒber einen langen Zeitraum zunehmender Belastung, oft ohne klar benennbare Einzelursache. Angst- und depressive Symptome treten vermehrt auf und gehen nicht selten mit körperlichen Beschwerden und GrĂŒbelneigung einher. Trotz stark eingeschrĂ€nkter innerer Ressourcen bleiben Betroffene hĂ€ufig lange leistungsfĂ€hig und suchen erst spĂ€t Hilfe“, so Schneider.

Ein frĂŒher Umgang mit psychischen Erkrankungen wird oft durch falsche Vorstellungen erschwert. „Psychische Erkrankungen gelten noch immer als Zeichen von SchwĂ€che oder werden mit der Erwartung verbunden, man mĂŒsse sich „nur zusammenreißen“. Auch die Annahme, psychische Probleme wĂŒrden von selbst verschwinden oder Therapie sei nur bei schweren FĂ€llen notwendig, trĂ€gt dazu bei, dass Erkrankungen verharmlost, spĂ€t erkannt und verzögert behandelt werden.“, betont Schneider. 

Bleiben psychische Erkrankungen unbehandelt, können sich Symptome verfestigen und an Schwere gewinnen. HĂ€ufig kommt es zu EinschrĂ€nkungen im Alltag, in Ausbildung, Beruf und sozialen Beziehungen. RĂŒckzug und Isolation nehmen zu, ebenso das Risiko fĂŒr körperliche Folgeerkrankungen durch chronischen Stress oder Schlafmangel. 

„In manchen FĂ€llen entwickeln sich ungĂŒnstige BewĂ€ltigungsstrategien wie vermehrter Alkohol- oder Medikamentenkonsum. In schweren VerlĂ€ufen steigt auch das Risiko fĂŒr SelbstgefĂ€hrdung bis hin zu suizidalen Gedanken“, so Schneider.

 

Vorbeugung und frĂŒhe Warnsignale ernst nehmen

Aus fachlicher Sicht wirken stabile Alltagsroutinen schĂŒtzend. Dazu zĂ€hlen ein regelmĂ€ĂŸiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ausgewogene ErnĂ€hrung, bewusste Pausen, Bewegung, soziale Kontakte außerhalb der Arbeit sowie AktivitĂ€ten, die Freude bereiten. Ebenso wichtig sind Enttabuisierung und Offenheit im Umgang mit psychischen Belastungen. Angehörige können unterstĂŒtzen, indem sie VerĂ€nderungen wie sozialen RĂŒckzug, Antriebslosigkeit, NervositĂ€t oder Gereiztheit ansprechen, zuhören und im Alltag entlasten. 

„BehandlungsbedĂŒrftige psychische Erkrankungen zeigen sich unter anderem dann, wenn belastende Symptome ĂŒber mehrere Wochen anhalten, der Alltag deutlich beeintrĂ€chtigt ist, der Leidensdruck steigt oder bewĂ€hrte BewĂ€ltigungsstrategien nicht mehr greifen. Akuter Handlungsbedarf besteht insbesondere bei selbstgefĂ€hrdenden Gedanken oder Verhaltensweisen.“, erlĂ€utert Schneider. 

Dass psychische Erkrankungen erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden, hat aus fachlicher Sicht unterschiedliche Ursachen: „Psychische Erkrankungen werden hĂ€ufig erst spĂ€t erkannt, weil sie sich oft schleichend entwickeln und anfangs unspezifisch Ă€ußern – etwa durch Erschöpfung oder Schlafprobleme. Viele Betroffene stufen diese Symptome als normalen Alltagsstress ein oder sprechen aus Scham und Angst vor Stigmatisierung nicht darĂŒber. Hinzu kommt, dass Menschen trotz hohen inneren Leidensdrucks lange leistungsfĂ€hig bleiben und Warnsignale dadurch unterschĂ€tzt werden. Auch mangelndes Wissen ĂŒber psychische Erkrankungen sowie strukturelle HĂŒrden wie lange Wartezeiten oder Unsicherheit darĂŒber, an wen man sich wenden kann, tragen dazu bei, dass eine fachliche AbklĂ€rung verzögert erfolgt.“, weist Schneider hin. 

 

Welttag der Kranken

Der Welttag der Kranken wurde am 11. Februar 1993 von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufen. Ziel dieses Tages ist es, weltweit auf die Situation kranker und bedĂŒrftiger Menschen aufmerksam zu machen und gesellschaftliche SensibilitĂ€t fĂŒr ihre Anliegen zu fördern.


Mögliche Warnsignale

  • Wenn beeintrĂ€chtigende Symptome ĂŒber mehrere Wochen anhalten.

  • Es zu einer deutlichen BeeintrĂ€chtigung des Alltags (z. B. Arbeit, Schule, soziale Kontakte) kommt. 

  • Der subjektive Leidensdruck steigt. 

  • Es zu einem Verlust wirksamer BewĂ€ltigungsstrategien kommt.

  • Anhaltende körperliche Beschwerden (z. B. Schlafstörungen, Erschöpfung) bestehen, sowie negative Denk- und GefĂŒhlsmuster wie GrĂŒbeln oder Hoffnungslosigkeit dominieren.

  • Wenn soziale RĂŒckzugstendenzen zu beobachten sind. 

  • Wenn sich das Essverhalten deutlich Ă€ndert. 

  • Akuter Behandlungsbedarf besteht bei selbstgefĂ€hrdenden Gedanken oder Verhaltensweisen.

     


Mögliche Vorbeugungstipps

  • Stabile Routinen wirken schĂŒtzend.

  • RegelmĂ€ĂŸiger Schlaf-Wach-Rhythmus.

  • Ausgewogene ErnĂ€hrung.

  • VerlĂ€ssliche Tages- und Wochenstrukturen.

  • Bewusste Pausen und Erholungszeiten.

  • Einbauen von Aufgaben in den Alltag, die Freude bereiten.

  • Sport oder Bewegung in der Natur.

  • Soziale AktivitĂ€ten außerhalb der Arbeit pflegen.

  • Enttabuisierung psychischer Erkrankungen (offen darĂŒber sprechen können). 

  • Als Angehörige Beobachtungen rĂŒckmelden wie sozialer RĂŒckzug, Antriebslosigkeit, NervositĂ€t und Gereiztheit.

  • Menschen, denen es nicht gut geht, Zeit schenken, echtes empathisches Zuhören, nicht kritisieren oder Tipps geben, UnterstĂŒtzung im Alltag.

 

Telefonische Hilfe in Krisensituationen

  • Telefonseelsorge: 142

  • Schulpsychologische Betreuung der Bildungsdirektion: 0664 80 345 55 665

  • Hotline der Krisenintervention des Land Steiermark: 0800 500 154

  • Rat auf Draht: 147

  • PsyNot Steiermark: 0800 44 99 33

  • Ö3-Kummernummer: 116 123

  • „Reden wir!“ – Steirisches Hilfetelefon: 0800 20 44 22

  • Frauenhelpline: 0800 222 555

  • MĂ€nnernotruf: 0800 246 247

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RĂŒckfragehinweis fĂŒr Medien

Christine Moisi, MSc 
KAGes Unternehmenskommunikation

Tel.: 0664 3978080

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