18-Kilogramm-Eierstocktumor am Uniklinikum Graz erfolgreich entfernt

Pressemitteilung

Am Uniklinikum Graz wurde einer Patientin ein 18 Kilogramm schwerer Tumor am Eierstock erfolgreich entfernt. Diagnose und Nachbehandlung erfolgten im LKH Oststeiermark, Standort Hartberg. Der außergewöhnliche Fall zeigt, wie gut die Zusammenarbeit im steirischen Krankenhausnetzwerk funktioniert – und warum regelmäßige gynäkologische Vorsorge wichtig ist.

Seitliche CT-Aufnahme des Bauchraums mit einem sehr großen, raumfordernden Eierstocktumor, der nahezu den gesamten Bauchraum ausfüllt und umliegende Organe verdrängt. Pfeilmarkierungen kennzeichnen die Ausdehnung des Tumors.
Der Tumor im CT-Bild | ©KAGes

40 Zentimeter groß und 18 Kilogramm schwer: An der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Uniklinikum Graz wurde einer über 50-jährigen Patientin aus der Steiermark ein außergewöhnlich großer Tumor des Eierstocks entfernt. Trotz seiner enormen Dimension erwies sich der Tumor als gutartig. Vom ersten CT im LKH Oststeiermark, Standort Hartberg bis zur Operation am Uniklinikum Graz vergingen nicht einmal zwei Wochen.

Nahaufnahme eines sehr großen, operativ entfernten Eierstocktumors mit deutlich sichtbaren Blutgefäßen auf der Oberfläche. Der Tumor liegt in einer Metallschale neben einem Maßstab.
Der gutartige Eierstocktumor war 40 Zentimeter groß und hatte ein Gewicht von 18 Kilogramm erreicht. | ©LKH-Univ. Klinikum Graz / G. Schwager

18 Kilogramm schwer – und gutartig

Über mehrere Monate hatte die Patientin zunehmende Beschwerden im Bauchraum bemerkt. Schließlich wandte sie sich über ihren Hausarzt an das Landeskrankenhaus in Hartberg. Eine CT-Untersuchung brachte dort rasch Klarheit: Im Bauchraum befand sich ein riesiger Tumor, der vom linken Eierstock ausging und aufgrund seiner Größe bereits alle Organe im Bauchraum verdrängte.

Die Kolleg*innen in Hartberg nahmen daraufhin Kontakt mit der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Graz auf. Aufgrund der außergewöhnlichen Größe des Tumors und der am Uniklinikum verfügbaren diagnostischen und operativen Möglichkeiten wurde die Patientin nach Graz überwiesen und hier operiert.

"In diesem außergewöhnlichen Fall war es sinnvoll, die Patientin in das Zentrum zu überweisen. Genau so soll ein Krankenhausnetzwerk funktionieren: Die Patient*innen werden dort behandelt, wo für ihre jeweilige Situation die besten Voraussetzungen vorhanden sind"

Univ.-Prof. Dr. Karl Tamussino, Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologie am Uniklinikum Graz
Vier Mitglieder des OP-Teams stehen in einem hellen Krankenhausgang nebeneinander und blicken in die Kamera. Drei tragen weiße Arztkittel, eine Mitarbeiterin trägt grüne OP-Kleidung und eine OP-Haube.
Klin. Abt. Leiter Univ.-Prof. Dr. Karl Tamussino (re.) mit dem OP Team Dr. Ursula Aldenhoff, Univ-Prof. Dr. Arnim Bader, DGKP Sandra Platzer (v.l.n.r.) | ©LKH-Univ. Klinikum Graz / M. Kanizaj

Elfköpfiges Team zwei Stunden im Einsatz

Bei der rund dreistündigen Operation war ein elfköpfiges Team aus Gynäkolog*innen, Anästhesist*innen und OP-Pflege im Einsatz. Über einen Bauchschnitt vom Brustbein bis zum Schambein konnte der 40 Zentimeter große und 18 Kilogramm schwere Tumor intakt entfernt werden. 

Eine entscheidende Frage musste während des Eingriffs beantwortet werden: Ist der Tumor gut- oder bösartig? Dafür wurde das Gewebe unmittelbar in das Diagnostik- & Forschungsinstitut für Pathologie gebracht und dort mittels Schnellschnitt untersucht. Normalerweise gelangen Gewebeproben am Uniklinikum über die Rohrpost in die Pathologie – bei einem Präparat mit 18 Kilogramm Gewicht war diesmal allerdings nicht nur präzise Handarbeit, sondern auch ein schneller Botengang gefragt.

Wenige Minuten später kam die beruhigende Nachricht aus der Pathologie: Es handelte sich um ein gutartiges Zystadenofibrom. „Die Größe eines Tumors sagt eigentlich nichts darüber aus, ob er gut- oder bösartig ist. In diesem Fall hatte der Tumor zwar nahezu den gesamten Bauchraum ausgefüllt und andere Organe massiv verdrängt, war aber zum Glück nicht in sie eingewachsen“, erklärt der verantwortliche Chirurg, Univ.-Prof. Dr. Armin Bader. Die Patientin hat sich gut von der Operation erholt, konnte zwei Tage nach der Operation nach Hause gehen und benötigt keine weitere Therapie. Die chirurgische Nachsorge übernehmen wohnortnah die Kolleg*innen am Standort Hartberg.

Gynäkologische Vorsorge

Auch ohne Beschwerden sollten Frauen einmal jährlich eine gynäkologische Vorsorgeuntersuchung bei niedergelassenen Frauenärzt*innen wahrnehmen. 
Sie dient dazu, Erkrankungen und Veränderungen möglichst früh zu erkennen – oft noch bevor sie Beschwerden verursachen. 

Zur gynäkologischen Untersuchung gehören je nach Alter, individueller Situation und medizinischer Notwendigkeit 

  • ein Anamnese- und Beratungsgespräch
  • eine Untersuchung der äußeren und inneren Geschlechtsorgane (Tastbefund)
  • eine Krebsfrüherkennung am Gebärmutterhals (HPV-Test bzw. Pap-Test)
  • ein vaginaler Ultraschall
  • eine Tastuntersuchung der Brust

Eine jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung ist für alle Frauen ab dem 18. Lebensjahr in Österreich bei Kassenärzt*innen grundsätzlich kostenlos. Ein gynäkologischer Ultraschall (vaginal oder abdominal) wird von den Kassenkassen im Rahmen der reinen Routine-Vorsorge oft nicht standardmäßig honoriert bzw. muss bei Wunsch ohne medizinischen Grund manchmal privat bezahlt werden.

Neu auftretende oder länger anhaltende Beschwerden sollten unabhängig vom jährlichen Vorsorgetermin ärztlich abgeklärt werden. Dazu zählen etwa ungewöhnliche Blutungen, anhaltende Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch sowie eine auffällige Zunahme des Bauchumfangs. 
Weiters haben alle Frauen zwischen 45 und 74 Jahren zudem im Rahmen des österreichischen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms ohne ärztliche Überweisung Anspruch auf eine Mammografie alle zwei Jahre.

Vorsorge: Kleine Veränderungen erkennen, bevor sie groß werden

Zystadenofibrome gehören zu den gutartigen Eierstocktumoren und verursachen gerade in frühen Stadien häufig keine oder nur unspezifische Beschwerden. Dass ein solcher Tumor eine Größe von 40 Zentimetern und ein Gewicht von 18 Kilogramm erreicht, ist ausgesprochen selten. Üblicherweise werden Veränderungen am Eierstock wesentlich früher im Rahmen von gynäkologischen Untersuchungen entdeckt und können dann häufig minimalinvasiv entfernt werden.

Der außergewöhnliche Fall ist deshalb auch ein Anlass, an die Bedeutung regelmäßiger gynäkologischer Untersuchungen zu erinnern. Veränderungen an den Eierstöcken können im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung, insbesondere mittels vaginalem Ultraschall, entdeckt und bei Bedarf weiter abgeklärt werden.

„Ein Tumor dieser Größe entsteht nicht innerhalb weniger Wochen. Gerade weil Veränderungen an den Eierstöcken lange kaum Beschwerden verursachen, sind regelmäßige gynäkologische Untersuchungen – idealerweise ein Mal pro Jahr – wichtig“, betont Bader. „Unser Appell lautet daher: Nehmen Sie Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen regelmäßig wahr und lassen Sie auch länger anhaltende oder zunehmende Beschwerden ärztlich abklären.“

Presseanfragen

Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz

Telefon: +43 316 385-87791
Fax: +43 316 385-16942

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