Zum Jahrestag der Brandkatastrophe in KoÄani: Ăberlebende sagen Danke!
Ein Jahr nach der dramatischen Brandkatastrophe in einem Nachtclub in KoÄani in Nordmazedonien, bei der 63 Menschen ums Leben kamen und rund 190 verletzt wurden, kam es zu einem besonderen Wiedersehen: Andrej Nisev, einer der vier schwer verletzten Patient*innen, die am Uniklinikum Graz behandelt wurden, ist heute wieder vollstĂ€ndig gesund. Er kehrte zurĂŒck, um sich persönlich bei dem Behandlungsteam zu bedanken, dessen Einsatz ihm das Leben rettete.
Am 16. MĂ€rz 2025 brach gegen 2:35 Uhr wĂ€hrend eines Konzerts im Nachtclub âPulseâ ein Feuer aus. Rund 500 Menschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Club. WĂ€hrend des Konzerts wurden sogenannte BĂŒhnenfontĂ€nen gezĂŒndet â funkenbildende Pyrotechnik, die die brennbare Akustikverkleidung entzĂŒndete. Rasch breitete sich das Feuer ĂŒber die Decke aus, dichter, giftiger Rauch fĂŒllte den Raum. 63 Menschen starben, rund 190 wurden verletzt. Da die KrankenhĂ€user in der Umgebung rasch an ihre Grenzen stieĂen, wurden Patient*innen im Rahmen eines europĂ€ischen Hilfsprogramms ins Ausland gebracht â vier von ihnen ans Uniklinikum Graz.
Einer davon: Andrej Nisev, ein 28-jĂ€hriger Buchhalter, der sich â wie spĂ€ter bekannt wurde â seine schweren Verletzungen zuzog, als er versuchte, andere aus dem Brandbereich zu retten. Wenige Tage nach dem Brand wurde er mit einem schweren Inhalationstrauma nach Graz geflogen und auf der Intensivstation der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Innere Medizin versorgt.
âDer Patient hatte schwerste innere Verbrennungen. Die Lunge war schwarz, die SchleimhĂ€ute waren verkohltâ, sagt Assoz.-Prof. Dr. Philipp Eller, Leiter der Intensivstation. âEr war 50 Tage bei uns â das ist sehr lange. Einen GroĂteil davon an der ECMO, also an der kĂŒnstlichen Lunge. Ohne diese spezialisierten Versorgungsmöglichkeiten hĂ€tte er sehr wahrscheinlich nicht ĂŒberlebt.â
Auch die Pflege erinnert sich an diese Zeit: âBesonders in Erinnerung bleibt mir, dass der Bruder den Patienten tĂ€glich besucht hatâ, sagt Christiane Kink, Stationsleitung der Intensivstation. âEs gab tĂ€gliche GesprĂ€che ĂŒber den kritischen Gesundheitszustand. Erschwerend war dabei die Sprachbarriere â und trotzdem ist eine besondere NĂ€he entstanden, vor allem, als der Patient wieder zu Bewusstsein kam.â
âBei Brandopfern denkt man oft zuerst an die Hautâ, sagt Lars-Peter Kamolz, Leiter des UniversitĂ€ren Zentrums fĂŒr Schwerbrandverletzte am Uniklinikum Graz. âAber gerade bei BrĂ€nden in geschlossenen RĂ€umen sind die SchĂ€den an Atemwegen und Lunge oft das eigentliche Problem.â
Nach rund zwei Monaten in Graz â mit teils sehr kritischen Phasen â war der Nordmazedonier stabil genug, um in sein Heimatkrankenhaus in Skopje ĂŒberstellt zu werden. Heute ist Andrej wieder völlig gesund und kann ein normales Leben fĂŒhren. Wie schon wĂ€hrend seiner Zeit als Patient war auch bei seinem Besuch in Graz sein Bruder an seiner Seite. Gemeinsam brachten sie Schokolade auf die Station â vor allem aber sagten sie persönlich Danke.
Ein Besuch, der Zuversicht gibt
âSolche Besuche sind wirklich wichtig fĂŒr unsâ, sagt Christiane Kink. âWir begleiten Menschen durch eine extreme Ausnahmesituation â und oft wissen wir nicht, wie ihre Geschichte weitergeht.â Wenn Patient*innen dann zurĂŒckkehren, hat das eine besondere Bedeutung: âEs ist einfach eine Freude zu sehen, dass man Gutes getan hatâ, so Kink. âEs ist schön zu erleben, dass Menschen nach einem so langen Intensivaufenthalt wieder vollkommen im Leben stehen. Solche Erfahrungen zeigen uns, wie wichtig unsere Arbeit wirklich ist, und bestĂ€rken uns in dem, was wir tĂ€glich tun.â Auch fĂŒr Philipp Eller war der Besuch besonders: âWie damals, als er nach Skopje ĂŒberstellt werden konnte, haben wir auch bei dem Besuch ein Foto gemacht, ausgedruckt und auf der Station aufgehĂ€ngt. Das sind die Erlebnisse, die im Alltag Kraft geben.â
Kooperation mit europaweiter Dimension
Die Versorgung schwerbrandverletzter Patient*innen ist seit Jahren ein Beispiel funktionierender internationaler Zusammenarbeit. Alle vier nach dem GroĂbrand in KoÄani am Uniklinikum Graz versorgten Patient*innen haben ĂŒberlebt. Drei der vier âGrazerâ Patient*innen wurden an der von Lars-Peter Kamolz geleiteten Klinischen Abteilung fĂŒr Plastische, Ăsthetische und Rekonstruktive Chirurgie an der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Chirurgie versorgt, ein Patient (Andrej Nisev) auf der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Innere Medizin.
Ehrung fĂŒr Lars-Peter Kamolz in Nordmazedonien
Als Zeichen der Dankbarkeit lud die nordmazedonische Regierung Vertreter*innen der beteiligten Teams aus ganz Europa nach Skopje ein â darunter Lars-Peter Kamolz. Am Jahrestag der Brandkatastrophe nahm er vor Ort am Gedenk- und Vernetzungstreffen teil, bei dem der Einsatz aufgearbeitet wurde und viele der ehemalige Patient*innen anwesend waren. FĂŒr ihn zeigte sich dabei einmal mehr die StĂ€rke dieser Kooperation: Die Verletzten wurden europaweit verteilt â von Spanien bis Schweden. Ăsterreich ĂŒbernahm insgesamt sechs Patient*innen, vier davon das Uniklinikum Graz, zwei das AKH Wien. Besonders lobt Kamolz die enge Zusammenarbeit mit dem Ăsterreichischen Bundesheer sowie mit Behörden und Ministerien, die diese rasche und koordinierte Hilfeleistung erst ermöglichen.
Das Brandverletztenzentrum fĂŒr Kinder und Erwachsene am Uniklinikum Graz ist eines von nur zwei zertifizierten Zentren in Ăsterreich und Teil eines europĂ€ischen Netzwerks spezialisierter Einrichtungen.
Pro Jahr werden hier zwischen 100 und 180 Patient*innen mit schweren Brandverletzungen behandelt â darunter auch internationale Patient*innen. Nach dem Brand in KoÄani kamen vier kritisch verletzte Patient*innen ans Uniklinikum.
Das Leistungsspektrum umfasst die Akutversorgung schwerer Verbrennungen inkl. Inhalationstrauma, intensivmedizinische Betreuung, chirurgische und rekonstruktive Eingriffe, spezialisierte Pflege und moderne Schmerztherapie, psychosoziale Begleitung, Physio- und Ergotherapie sowie Langzeitnachsorge und professionelles Narbenmanagement. Die Spezialisierung liegt in der multidisziplinĂ€ren Akutversorgung, Intensivmedizin, rekonstruktiven Chirurgie und Langzeitrehabilitation schwerbrandverletzter Menschen. In enger Zusammenarbeit mit Fachbereichen wie der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie, der AnĂ€sthesiologie und Intensivmedizin, der Kinderklinik sowie der Psychologie und Physiotherapie bietet das Zentrum eine umfassende und ganzheitliche Behandlung â von der Erstversorgung bis zur sozialen Reintegration.
FĂŒr die stationĂ€re Behandlung stehen sechs Betten fĂŒr Erwachsene und drei Betten fĂŒr Kinder zur VerfĂŒgung
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