Neues Herzklappensystem âJenaValveâ erfolgreich implantiert!
Am UniversitĂ€ren Herzzentrum Graz (UHZG) wird seit heuer die Implantation eines neuen Herzklappensystems angeboten. Mit der âJenaValveâ kann Patient*innen geholfen werden, deren eigene Aortenklappe hochgradig undicht ist, ohne dass eine Verkalkung der Klappe vorliegt, und die aufgrund ihrer körperlichen Konstitution einen besonders schonenden Eingriff benötigen. Martin Andreas, Leiter der Klinischen Abteilung fĂŒr Herzchirurgie am Uniklinikum Graz, ist einer der wenigen Mediziner in Europa, die fĂŒr diesen minimalinvasiven Eingriff zertifiziert sind. GemÀà dem UHZG-Motto âHerzmedizin aus einer Handâ wird der Eingriff gemeinsam von Herzchirurg*innen, Kardiolog*innen und AnĂ€sthesist*innen des UHZG durchgefĂŒhrt.
âDas Besondere an dem System ist, dass die Fixierung der Ersatzklappe ĂŒber die drei zarten Taschenanteile erfolgt, aus denen eine natĂŒrliche Aortenklappe im Regelfall besteht. Die Prothese wird â Ă€hnlich wie eine BĂŒroklammer â direkt an diese feinen Strukturen angeheftet. Wir können daher Patient*innen damit versorgen, bei denen z. B. ein angeborener Herzfehler die Ursache fĂŒr die Undichtheit der Klappe ist. In solchen FĂ€llen ist der Einsatz der gĂ€ngigen Herzklappensysteme nicht möglich, da diese primĂ€r an die verkalkten Stellen einer Aortenklappe fixiert werden, die bei vielen anderen Patient*innen die Ursache fĂŒr die Undichtheit istâ, beschreibt Herzchirurg Martin Andreas das âJenaValveâ-System. Dessen EinfĂŒhrung am Uniklinikum Graz war fĂŒr ihn seit seiner Bestellung zum Abteilungsleiter eine echte Herzensangelegenheit, hatte er doch das Verfahren schon am AKH-Wien erfolgreich angewandt.
Anfang JĂ€nner warâs soweit: Gemeinsam mit seinen Kolleg*innen vom UHZG implantierte er in Graz einer Patientin und einem Patienten erstmals die neue Klappe und markierte damit den Start des dafĂŒr im UHZG initiierten Programms. Mit Erfolg. Beide sind wohlauf und konnten das Spital nach drei Tagen wieder verlassen. Vor dem 90minĂŒtigen-Eingriff wurde mittels Herzultraschall, Computertomographie und prĂ€ziser Detailplanung abgeklĂ€rt, ob die Patient*innen fĂŒr die Implantation auch geeignet sind.
Klappensystem minimalinvasiv implantierbar
Was die âJenaValveâ-Klappe weiters auszeichnet: Ihre Implantation ist minimalinvasiv durchfĂŒhrbar, sie eignet sich daher speziell fĂŒr jene Patient*innen, die aufgrund ihrer körperlichen Konstitution ein besonders schonendes Implantationsverfahren benötigen. Wie Univ.-Prof. Andreas Zirlik, Leiter der Klinischen Abteilung fĂŒr Kardiologie am Uniklinikum Graz erklĂ€rt, spricht man hier von der sogenannten âTranskatheter Aortenklappenimplantationâ, kurz TAVI. Dabei werde der Klappenersatz ĂŒber die Leistenschlagader der*des Patient*in bis zum Herzen gefĂŒhrt und dort fixiert. Der Eingriff erfolge im Hybrid-OP bei schlagendem Herzen und ist ohne Vollnarkose sowie ohne den Einsatz einer Herz-Lungenmaschine durchfĂŒhrbar. Herzchirurg Andreas ergĂ€nzt, dass es diese Technik seit ĂŒber 20 Jahren gibt. âDerzeit befinden sich einige dafĂŒr erprobte Klappentypen auf dem Markt, die aber meist am verkalkten Teil der Herzklappe fixiert werden. Mit ,JenaValveâ können wir nun eine Alternative dazu anbietenâ, konkretisiert er.
Ca. 600 Aortenklappen pro Jahr eingesetzt
Wird eine defekte Aortenklappe nicht behandelt, kommt es langfristig zu einer HerzschwĂ€che (Herzinsuffizienz), denn die Klappe ĂŒbernimmt wĂ€hrend jedes Herzschlags die Funktion eines Ventils zwischen der linken Herzhauptkammer und der Hauptschlagader. Somit regelt sie, wie die Experten erlĂ€utern, den Blutfluss aus dem Herzen in den Körperkreislauf. Ist sie verkalkt oder aus anderen GrĂŒnden undicht, flieĂt das Blut zurĂŒck in die Herzkammer, was zu einer Ăberlastung des Herzens fĂŒhrt und â unbehandelt â eine HerzschwĂ€che verursacht. Pro Jahr werden am UHZG ca. 600 Aortenklappen implantiert, 50 Prozent davon ĂŒber den Katheter und 50 Prozent offen oder minimalinvasiv auf dem chirurgischem Wege, bei dem am offenen Herzen operiert wird. Eine implantierte biologische Herzklappe hĂ€lt durchschnittlich bis zu 15 Jahren.
âWir sind sehr froh, dass das UHZG sein Eingriffsportfolio mit dem neuen System erweitert hat. So kann nun beispielsweise jenen Patient*innen eine alternative Behandlungsoption angeboten werden, die aufgrund einer Degeneration oder einer angeborenen bikuspiden Aortenklappe eine Aorteninsuffizienz entwickelt haben und ein hohes OP Risiko haben. Die bikuspide Aortenklappe weist zwei statt drei Klappensegel auf und zĂ€hlt zu den hĂ€ufigsten angeborenen Herzfehlernâ, erlĂ€utert Ass.-Prof. Dr. Wolfgang Köle, Ărztlicher Direktor des LKH-Univ. Klinikum Graz.
Seit 2020 bĂŒndeln die Herzmediziner*innen des Uniklinikum Graz und der Med Uni Graz im UniversitĂ€ren Herzzentrum Graz ihre Kompetenzen. Die Klinische Abteilung fĂŒr AnĂ€sthesiologie und Intensivmedizin 2 (Leitung Univ.-Doz. Dr. Maria Angela Rajek), die Klinische Abteilung fĂŒr Herzchirurgie (Leitung Univ.-Prof. Dr. Martin Andreas) sowie die Klinische AbteilungfĂŒr Kardiologie (Leitung Univ.-Prof. Dr. Andreas Zirlik) und die Klinische Abteilung fĂŒr PĂ€diatrische Kardiologie (Leitung Univ.-Prof. Dr. Hannes Sallmon) zĂ€hlen zum Kernteam des Zentrums, in dem folgende Bereiche eingerichtet wurden:
Im âCardiac Device Implantation Centerâ liegen die Schwerpunkte in der Implantation von Herzschrittmachern, Devices zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) und implantierten Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs).
Das âHeart Team fĂŒr Strukturelle Herzerkrankungenâ bietet Verfahren zur Therapie fĂŒr alle Herzklappenfehler und degenerativen oder voroperierten Klappenerkrankungen an.
Das âHeart Team fĂŒr fortgeschrittene Herzinsuffizienzâ ermöglicht eine umfassende und interdisziplinĂ€re Betreuung von Patient*innen mit Herzinsuffizienz im stationĂ€ren, ambulanten und telemedizinischen Bereich.
In der eigenen EMAH-Ambulanz werden Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) interdisziplinÀr behandelt.
Presseanfragen
Pressestelle des LKH-Univ. Klinikum Graz
Mag. Simone Pfandl-Pichler
Auenbruggerplatz 1, 8036 Graz
Telefon: +43 316 385-87791
Fax: +43 316 385-16942
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