PrÀzision in Echtzeit: Neuer LINAC ermöglicht adaptive Radiotherapie

Pressemitteilung

Österreichpremiere am LKH-Univ. Klinikum Graz: Diese Woche ging an der Univ.-Klinik fĂŒr Strahlentherapie-Radioonkologie ein „LINAC Ethos“ in Betrieb. Das GerĂ€t ist das erste seiner Art in Österreich und ermöglicht eine sogenannte online-adaptive Radiotherapie. Die Vorteile: Der Bestrahlungsplan kann mithilfe KĂŒnstlicher Intelligenz, die die Bilder des im GerĂ€t integrierten CTs interpretiert, fast in Echtzeit an die aktuelle Anatomie der*des Patient*in angepasst werden und die Bestrahlung des Tumors somit noch prĂ€ziser erfolgen, wĂ€hrend mögliche Nebenwirkungen reduziert werden. Auch fĂŒr das Behandlungsteam bringt das System eine deutliche Zeitersparnis mit sich.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Brunner, Vorstand der Univ.-Klinik fĂŒr Strahlentherapie-Radioonkologie, vor dem neuen LINAC Ethos | ©LKH-Univ. Klinikum Graz / L. Schaffelhofer

„Ja, wir sind stolz, dass wir die ersten in Österreich sind, die eine adaptive Radiotherapie mit diesem System anbieten können“, erklĂ€rte Univ.-Prof. Dr. Thomas Brunner, Klinikvorstand der Univ.-Klinik fĂŒr Strahlentherapie-Radioonkologie, gestern kurz bevor die erste Behandlung am neuen Linearbeschleuniger (LINAC) Ethos durchgefĂŒhrt wurde. Ein Prostatatumor wurde damit ins Visier genommen, um mittels gezielter Strahlung eine Heilung zu erreichen. Prostatatumoren sind die hĂ€ufigste Krebserkrankung bei MĂ€nnern. Pro Jahr werden etwa 750 Patienten an der Univ.-Klinik fĂŒr Strahlentherapie-Radioonkologie behandelt.

Was dieses Mal anders war: Der LINAC Ethos kombinierte zwei Arbeitsschritte: Zum einen stellte er den klassisch vorgefertigten Bestrahlungsplan dar und hĂ€tte ihn auch umsetzen können, zum anderen hat er in wenigen Minuten durch die integrierte Computertomographie aktuelle Bilder des Tumors und der umliegenden Organe in TopqualitĂ€t erzeugt und einen adaptiven Behandlungsplan errechnet. Beide PlĂ€ne wurden dann mit Referenz auf das Behandlungsziel auf einem der Monitore dargestellt. Dann wurde von Ă€rztlicher Seite her entschieden, welcher Vorschlag fĂŒr den Patienten am besten geeignet ist und umgesetzt wird. Beim ersten Patienten fiel die Entscheidung des Behandlungsteams auf die adaptive Variante. Nach etwa einer halben Stunde war die gesamte Sitzung inklusive Bestrahlung vorbei.

„Das GerĂ€t ist ein wahrer Tausendsassa, denn es kann eben beide BehandlungsplĂ€ne umsetzen – die klassischen sogar in kĂŒrzerer Zeit. WĂ€hrend andere Systeme etwa eine Viertelstunde pro Sequenz dafĂŒr benötigen, ist der LINAC Ethos in gut zehn Minuten damit fertig. So entsteht eine Win-Win-Situation, denn da wir bei den klassischen Sequenzen schneller sind, bleibt uns im Anschluss mehr Zeit fĂŒr die adaptiven Behandlungen. Da wir noch am Anfang stehen, werden derzeit gezielt Patienten ausgewĂ€hlt“, erklĂ€rt Brunner und fĂŒgt hinzu: „In den ersten Betriebswochen des Ethos werden, um Erfahrungen zu sammeln, bewusst nur zwei Personen pro Tag adaptiv behandelt – zusĂ€tzlich zu einer grĂ¶ĂŸeren Anzahl an Patient*innen, fĂŒr die der klassische Behandlungsweg gewĂ€hlt wird.“

Blase, Prostata, GebÀrmutter und Co.

Aktuell wird die neue Technologie zur Bestrahlung von Tumoren der Prostata, der Blase, des GebĂ€rmutterhalses, der GebĂ€rmutter, des Enddarms sowie bei Analkarzinomen eingesetzt. Viele davon benötigen eine sehr hohe Strahlendosis. „Je höher die Dosis, desto höher die Erfolgsrate. Je prĂ€ziser die Bestrahlung, desto geringer sind die Nebenwirkungen, die im Bereich rund um den Tumor auftreten können", konkretisiert der Klinikvorstand und ergĂ€nzt, dass es z. B. nach der Prostatabehandlung zu SpĂ€tfolgen im Bereich des Enddarms kommen kann, die dann in seltenen FĂ€llen auch gravierend sein können. Ursache sei eine Proktitis, die durch SchleimabgĂ€nge oder auch von Spuren von Blut gekennzeichnet ist. KĂŒnftig sollen auch Behandlungen im HNO-Bereich und im Oberbauch möglich sein.

KI mit im Team

Zum Kernbehandlungsteam bei (adaptiven) Behandlungen zĂ€hlen Ärzt*innen, Medizin-physiker*innen und Radiologietechnolog*innen. Brunner betont die unglaubliche Motivation aller Beteiligten, was die EinfĂŒhrung des neuen Systems betrifft. „Denn freilich ist der Aufwand fĂŒr alle am Anfang deutlich höher, denn jede*r von uns lernt mit dem Einsatz der Methode“, betont er. Durch das neue GerĂ€t mischt auch die KĂŒnstliche Intelligenz zunehmend im Prozess mit. „KI-Anwendungen erleichtern die Arbeit – eben bei der Abgrenzung und Konturierung von Organen in der CT-Bildgebung, der Optimierung des Bestrahlungsplans, der Datenanalyse u. v. m. und sind daher auch Gegenstand laufender klinischer Forschung“, erlĂ€utert Brunner. „Die Letztverantwortung bleibt aber immer ganz klar bei uns Mediziner*innen. Es gilt, die KI-Systeme zu verstehen, um sie effizient einzusetzen und potenzielle Fehler zu erkennen – falls sie auftreten“, schließt Brunner.

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